Interview mit 2 Doktoranden vom MyFUN Projekt

with Keine Kommentare

Von Pascal Blaser

Im Februar 2018 wurde ich nach Tübingen eingeladen, um mir die Universität, das ZEISS Vision Science Lab und das Projekt MyFun vor Ort anzusehen. MyFun ist ein von der EU finanziertes Projekt zur Myopie-Forschung. Schon seit mehreren Jahren sind unterschiedliche Universitäten in Europa in dieses Projekt involviert.

Bei einem gemütlichen Abendessen lernte ich unter anderem die beiden Studenten Pablo Sanz Diez (vorne rechts) und Miguel Garcia Garcia (hinten rechts) kennen. Beide arbeiten an der Universität an ihrer PhD-Arbeit mit Unterstützung des MyFUN-Projektes.

Tübingen selbst ist ja eine kleine, hübsche Stadt mit vielen historischen Gebäuden, aber das Universitätsgelände ist wirklich beeindruckend.

Hier das Interview mit ihnen über ihre Arbeit und das Projekt

Frage: Ihr seid zwei von mehreren Studenten, die an dem von der EU geförderten Projekt "MyFUN" arbeiten. Können Sie uns mehr über das Projekt, die Ziele und die beteiligten Personen erzählen?

Miguel Garcia Garcia: Hi! Gerne kann ich dir mehr über "MyFUN" erzählen. Tatsächlich ist "MyFUN" ein Akronym für "Myopia fundamental understanding needed" und wir versuchen, Antworten auf einige grundlegende, ungelöste Fragen in der Myopieforschung zu finden. Hierbei handelt es sich um einen von der Europäischen Kommission mitfinanziertes Projekt im Rahmen der Marie-Sklodowska-Curie-Aktionen, was bedeutet, dass alle Stipendiaten (Early Stage Researcher oder ESR) des Netzwerks Doktoranden sind. Jeder ESR arbeitet an seinem eigenen Thema, aber die Ziele des Projekts lassen sich in drei Hauptarbeitspakete unterteilen: 1) Um zu verstehen, wie das Auge mit dem visuellen Input interagiert und wie dies das Augenwachstum beeinflusst werden kann, 2) Wie weiß das Auge, wie es wächst, nachdem es das Eingangssignal erhalten hat und 3) wie visuelle Darstellung, Anpassungen oder Training uns helfen können, diesen Zustand zu ändern.

Frage: Wie seid ihr in das Programm gekommen? 

Miguel Garcia Garcia: In Spanien, als ich mein Masterstudium absolvierte, entschied ich mich aufgrund der Forschungsmöglichkeiten für eine Promotion. Ich wusste, dass es etwas sein musste, dass mich interessierte und ich interessierte mich bereits für das Gebiet der Kurzsichtigkeit (ich habe eine Augenoptikerausbildung). Als uns ein Lehrer das Angebot unterbreitete, zögerte ich nicht und bewarb mich. Ich hatte Glück und nun bin ich hier.

Pablo Sanz Diez: In meinem Fall hatte ich vor einigen Monaten den Master-Abschluss gemacht und arbeitete in einer Augenklinik. Ich wollte weiterhin studieren und mich auf verschiedene Aspekte des visuellen Systems spezialisieren, also entschied ich mich, nach Doktorandenangeboten in Spanien zu suchen. Da das Angebot nicht sehr breit war, entschied ich mich, dass es für meine Zukunft am besten wäre, es auch im Ausland zu probieren. Deshalb fragte ich meine Universitätsprofessoren, ob sie von einem europäischen Stipendium wüssten, und einer von ihnen erzählte mir von dem MyFUN-Projekt und den Angeboten im ZEISS Vision Science Lab in Tübingen. Ich habe nicht gezögert, mich zu bewerben, denn es war eine einmalige Gelegenheit, die ich nicht verpassen durfte.

Frage: Und was sind eure Projekte in "MyFUN"?

Zunächst versucht MyFUN neue Felder zu finden, um einige grundlegende Fragen der Myopieentwicklung zu beantworten. Dazu betrachtet MyFUN drei wesentliche Ziele, die in drei sich überlappende Forschungsarbeitspakete (WP) gruppiert sind: WP 1 - Unbekannte Aspekte des Augenwachstums; WP 2 - Biologische Merkmale, die das Augenwachstum steuern; WP 3 - Sehleistung, visuelle Anpassung und Training.

Miguel Garcia Garcia: Ich beschäftige mich mit dem ersten Teil und mein Projekt versucht, die Wirkung der konventionellen Brillenkorrektur auf das normale Wachstum zu bestimmen.

Pablo Sanz Diez: Mein Projekt liegt im dritten Teil des Projekts und Ziel ist es, die Flexibilität der Akkommodation zu beschreiben und eine Technik zu definieren, um die Ungenauigkeiten des Akkommodationssystems bei myopischen Probanden zu reduzieren.

Frage: Fünf verschiedene Universitäten (Tübingen, Murcia, Madrid, Dublin und Stockholm) sind an "MyFUN" beteiligt. Wie ist die Zusammenarbeit und Interaktion zwischen den Teams?

Miguel Garcia Garcia: Es gibt derzeit sieben Netzwerkpartner (fünf Universitäten und zwei Industriepartner) und sowohl Pablo als auch ich sind Teil eines dieser Industriepartner, der Carl ZEISS Vision International GmbH.

Zwischen allen Ausbildungszentren, die von der EU-Kommission bewilligt wurden, ist die Zusammenarbeit, Interaktion und Vernetzung gewährleistet. Jeder von uns hat eine Bezugsperson, die für den Austausch zwischen den Labors zuständig ist. Wir treffen uns mehrmals im Jahr, um die Arbeit der anderen kennenzulernen und verstehen. Darüber hinaus kann es auch zu gemeinsamen Publikationen, zum Austausch von Ergebnissen und dadurch natürlich zu einer Verbesserung der eigenen Arbeit führen.

Frage: Gibt es bereits erste Ergebnisse der Forschung und wo finden wir sie?

Miguel Garcia Garcia: Ja! Es gibt mehrere Artikel, die in verschiedenen wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht worden sind, und weitere werden folgen.

Alle Arbeiten, die veröffentlicht werden, sind frei einsehbar, denn auch die Europäische Union möchte, dass unsere Ergebnisse allen Forschern in der Welt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Man findet diese unter der Grant-Nummer 675137, im Blog unter https://myopiainscience.wordpress.com/publications-from-the-myfun-network/ oder in anderen öffentlichen Quellen.

Frage: Ihr habt einen eigenen Blog für "MyFUN" erstellt. Worum geht es im Blog und wer sollte ihn lesen?

Pablo Sanz Diez: Der MyFUN Blog heißt «Myopia in Science» und zeigt das breite wissenschaftliche Spektrum der Myopieforschung aus der ganzen Welt. Ein weiterer Zweck dieses Blogs ist es, die Studenten und Forscher von MyFUN zu treffen, sowie die Neuigkeiten über unsere Projekte und Erfahrungen, die hinter diesem bemerkenswerten, internationalen und interdisziplinären Projekt stehen, zu veröffentlichen. Unter diesem Link findet man den Blog und kann die verschiedene Aspekte von MyFUN kennenlernen: https://myopiainscience.wordpress.com/

Vielen Dank für dieses Interview und viel Erfolg beim Studium!

Während meines Besuches begleiteten mich Dr. Siegfried Wahl (Direktor des ZEISS Vision Science Lab, Mitte) und Alexander Leube (Doktorand, Links) durch die Universität und die Forschungsräume.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

myopia.care - die Online Applikation zur Myopie Kontrolle